Verzichten die Berliner auf das Silvester-Feuerwerk?

Verzichten die Berliner auf das Silvester-Feuerwerk?

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) sagt der Silvester-Böllerei den Kampf an und unterstützt die Petition zum Verbot von Silvesterfeuerwerk für Privatpersonen

Feuerwerk Klein-Format

© nullplus/ www.istockphoto.com

Feuerwerk Klein-Format

An 31 deutsche Städte wurden formelle Anträge für Verbote und Beschränkungen von privaten Silvesterböllereien gestellt. Betroffen sind Städte mit hoher Luftbelastung, darunter auch Berlin.

Belastung der Gesundheit durch Feinstaub

Der Grund für die Anträge istvor allem die Belastung der Gesundheit mit schädlichem Feinstaub. Die Feinstaubbelastung wird in der Silvesternacht um das bis zu 30-fache des Erlaubten überschritten. Bereits vor Jahren hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine Verschärfung der EU-Feinstaubgrenzwerte empfohlen. Der EU-Umweltkommissar Vella hat erst vor wenigen Monaten angekündigt, die derzeit viel zu hohen EU-Grenzwerte für Feinstaub entsprechend der WHO-Empfehlung abzusenken.
„Viele hunderttausend Menschen mit Atemwegserkrankungen, wie beispielsweise schwerem Asthma, flüchten zum Jahreswechsel aus ihren Wohnungen oder müssen sich dort regelrecht luftdicht verbarrikadieren. Jedes Jahr aufs Neue verursacht die archaische Böllerei zum Jahreswechsel ‚dicke Luft‘ in unseren Städten, wie sie sonst in Smog-Hochburgen asiatischer Metropolen beklagt wird,“ erklärt Jürgen Resch, Bundesgeschäftsführer der DUH.

Innerhalb weniger Stunden setzen die Feuerwerksböller zum Jahreswechsel circa 5.000 Tonnen besonders giftigen Feinstaubs frei. Der aus Feuerwerkskörpern stammende Feinstaub ist besonders hoch mit giftigen Stoffen belastet, sodass seine negativen gesundheitlichen Auswirkungen deutlich höher sind als bei den sonstigen Feinstaubquellen. Feinstaub kann insbesondere gesundheitlich vorbelasteten Menschen mit Asthma oder anderen Atemwegserkrankungen sowie Schwangeren und Kindern schaden.

Weitere Gründe für den Antrag auf das Böllerverbot

Neben den gesundheitlichen Belastungen kommt es häufig zu schweren Verletzungen, manchmal auch Todesfällen. Extrem ist auch die Vermüllung durch die Silvester-Böllerei. Die Feuerwehr ist in der Silvesternacht im Ausnahmezustand, da erhebliche Brandgefahr besteht. Großen Risiken sind Natur und Tierwelt ausgesetzt. Durch das teilweise massenhafte Abfeuern von Böllern entlaufen und sterben Haustiere, Wildtiere und Vögel geraten in Panik. In nahezu allen Industrienationen ist deshalb die private Böllerei in Städten verboten. In Deutschland existieren nur wenige und zum Teil zaghafte Beschränkungen.

Beschränkungen der Silvester-Böllerei

Berlin und München wollen laut dem Bundesgeschäftsführer der DUH der Forderung nachkommen und Pyrotechnik in ihren hochbelasteten Innenstädten beschränken.
Martin Pallgen, Pressesprecher der Berliner Senatsverwaltung für Inneres, sagt dazu gegenüber dem Evangelischen Pressedienst (epd), Berlin wolle einige Verbotszonen einrichten, vor allem aber aus Sicherheitsgründen, da es in der Vergangenheit in manchen Gebieten bei den Silvesterfeiern zu Angriffen auf Rettungskräfte und Polizei kam.
In einigen Berliner Stadtteilen herrschten laut Innensenator Andreas Geisel (SPD) bürgerkriegsähnliche Zustände, deshalb hat er schon Anfang des Jahres angekündigt, dass er weitere Böllerverbotszonen ausweisen wolle.

Böllerverbotszonen

Bei der großen Silvesterparty am Brandenburger Tor ist die private Knallerei bereits verboten. Laut Innenstaatssekretär Torsten Akmann wurden die neuen Verbotszonen für Feuerwerk an der Pallasstraße in Schöneberg und am nördlichen Teil des Alexanderplatzes in Mitte festgelegt (Meldung vom 09.09.2019 in der Berliner Morgenpost). Der Hermannplatz in Neukölln ist nicht davon betroffen. Hier waren die problematischen Vorfälle nicht so zahlreich wie an den anderen Orten.

Der Grund für die Feuerwerksverbotszone Pallasstraße ist eine Straßenschlacht, bei der im letzten Jahr 150 Personen beteiligt waren und die von einer Polizei-Hundertschaft aufgelöst werden musste. Auch an anderen Orten fanden Übergriffe auf Einsatzkräfte von Feuerwehr und Polizei statt.
Das Böllerverbot gilt vom 31. Dezember 18 Uhr bis 1. Januar um sechs Uhr.

Ein Böllerverbot in der ganzen Innenstadt wird es laut Geisel nicht geben. Das Abbrennen von Feuerwerkskörpern sei Bundesrecht und kein Landesrecht, so Geisel gegenüber der Berliner Zeitung. Daher könne er dies nicht im gesamten Stadtgebiet verbieten lassen.

DUH nicht grundsätzlich gegen Silvesterfeuerwerke

Auch die Deutsche Umwelthilfe ist nicht komplett gegen alle Silvesterfeuerwerke. Professionell und zentral organisierte Silvesterfeuerwerke, vor allem solche, die die Luftqualität nicht beeinträchtigen und auch jene außerhalb der belasteten Innenstadtbereiche werden von der DUH ausdrücklich befürwortet.

Link zur Petition

Die von der DHU unterstützte Petition zum

Quelle: BerlinOnline/DHU/Berliner Zeitung/Berliner Morgenpost